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Die Gesichtserkennung könnte den Detailhandel revolutionieren

Aber mit was für Auswirkungen auf die Privatsphäre und das Kundenerlebnis?

Schon lange besteht im Detailhandel ein Kampf zwischen Onlinehandel und physischen Geschäften. Da die gegenwärtige Krise viele Kunden zwingt, neue Wege für ihre Einkäufe zu finden, könnte eine neue Technologie in Zukunft vielleicht wieder mehr Kunden in die traditionellen Geschäfte bringen.

Lange Zeit war die gross angelegte Nutzung der Gesichtserkennung im Detailhandel nur ein Thema in Sciene-Fiction-Filmen. Viele erinnern sich vielleicht an den Film Minority Report aus dem Jahr 2002, in dem Kunden basierend auf ihrem Profil und ihren bekannten Vorlieben gezielte Werbung und individuelle Einkaufsempfehlungen angezeigt werden.

Was die technischen Möglichkeiten betrifft, sind wir in der Zukunft angekommen. Denn bereits heute wird die Gesichtserkennung weltweit im Detailhandel für verschiedene Anwendungen genutzt.

So gibt es beispielsweise Tankstellenshops, die mit dieser Technologie bekannte Ladendiebe aufdecken, Pubs, die damit vermeiden, dass Leute an der Bar vordrängeln oder vom Servicepersonal übersehen werden und Restaurants und Cafés, die dank Gesichtserkennung Stammgäste identifizieren, um ihnen einen schnelleren Service bieten zu können. 

Ende 2019 kündigte ein spanisches Lebensmittelgeschäft an, dass es mit dieser Technologie Zahlungen von Kunden abwickelt, und der grosse US-Einzelhandelskonzern Walmart hat sogar ein Patent für ein Gesichtserkennungssystem1 eingereicht, das die Stimmung einzelner Kunden messen kann, damit die Geschäfte schneller auf Kundenserviceprobleme reagieren können.

Eine revolutionäre Technologie

Rhys David, CEO des Identitätsüberprüfungsspezialisten Credas, glaubt, dass diese Technologie insbesondere für Detailhandelsunternehmen grosses Potenzial hat, weil sie ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Kunden besser kennenzulernen. Er erklärt: «Die Gesichtserkennungstechnologie gibt es schon lange, und es ist unglaublich, wie vielfältig die Anwendungsmöglichkeiten sind.

Ganz gleich, ob Sie das Einkaufserlebnis verbessern oder verstehen möchten, was für Vorlieben ein Kunde hat, der ein Geschäft betritt, oder ob Sie Ladendiebe erkennen und so die erheblichen Kosten des Diebstahls senken wollen. Die Gesichtserkennung macht vieles schon heute möglich. Und die Technologie wird immer besser, da sowohl die Bildgebungssysteme als auch die Algorithmen, mit denen die Bilder analysiert werden, sich extrem schnell weiterentwickeln.

Aber trotz der bedeutenden Fortschritte der Technologie bestehen sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Regierungen grosse Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Gesichtserkennung auf die Privatsphäre.

IBM, ein wichtiger Akteur im Bereich der Gesichtserkennung, kündigte im Juni 2020 an, dass das Unternehmen den Verkauf und die Weiterentwicklung der Technologie einstellen werde2, weil sie für Massenüberwachung und Racial Profiling missbraucht werden und so grundlegende Menschenrechte und Freiheiten verletzen könnte.

Das Unternehmen forderte eine Debatte zur Festlegung von Grundregeln für den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie durch die Polizei und andere Behörden. 

Die Datenschutz-Debatte
Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham hat bezüglich Gesichtserkennungstechnologie Bedenken geäussert und erklärt, dass dieser Bereich genau unter die Lupe genommen werde. Gegenüber der britischen Tageszeitung Guardian sagte sie kürzlich: «Das Scannen und Erkennen der Gesichter von Menschen, die rechtmässig ihrem Alltag nachgehen, ist eine potenzielle Bedrohung für die Privatsphäre, die uns alle beunruhigen sollte. Vor allem dann, wenn dies ohne das Wissen oder das Einverständnis der Menschen geschieht.

Meine Behörde und die Justizbehörden prüfen unabhängig voneinander die rechtlichen Fragen und untersuchen, ob der aktuelle Rahmen mit den neuen Technologien und den Erwartungen der Menschen hinsichtlich der Verwendung ihrer persönlichen Daten Schritt hält.»

Viele der Personen, die solche Technologien entwickeln, glauben jedoch, dass die breite Öffentlichkeit nur dann davon überzeugt werden kann, wenn sie sich in realen Tests bewähren. Rhys David sagt dazu: «Was den Datenschutz betrifft, ist es wichtig zu wissen, dass die Technologie in den meisten Fällen eingesetzt wird, um unsere Sicherheit mit so wenig Unannehmlichkeiten wie möglich zu gewährleisten.

Es ist sehr frustrierend, wenn Lobbyisten versuchen, die Weiterentwicklung der Gesichtserkennung zu stoppen, weil sie nicht richtig getestet wird. Fakt ist, dass diese Technologie nur ausreichend getestet werden kann, wenn sie in einer realen Umgebung ausprobiert wird. Wenn wir das enorme Potenzial der Technologie nutzen möchten, müssen wir uns dahinter stellen und die Durchführung von Tests erlauben. Die Anwender dieser Technologie müssen besser erklären, warum sie sie einsetzen  ̶  um unsere Sicherheit zu gewährleisten und uns zusätzlichen Komfort zu bieten.» 

Herausforderungen

Aber der Datenschutz ist nicht die einzige Hürde, die Detailhändler bei der Einführung von Geschichtserkennungstechnologien überwinden müssen. Sie müssen zusätzlich sicherstellen, dass die Technologie das Kundenerlebnis nicht beeinträchtigt, sondern verbessert.

Rhys David erklärt: «Die Detailhändler können das Einkaufserlebnis basierend auf den bekannten Gewohnheiten der Kunden exakt auf deren Bedürfnisse zuschneiden. Dadurch könnte in physischen Geschäften ein persönlicheres Erlebnis geschaffen werden, das so bisher nicht möglich war. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die entsprechenden Einwilligungen gemäss DSGVO vorliegen.

Die Umsetzung ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden und die Detailhändler müssen die gleiche Balance finden, mit der Online-Händler schon seit Jahren ringen: effektive Vorschläge zu machen, ohne aufdringlich zu sein und Kunden mit aggressiven Verkaufsstrategien abzuschrecken oder gar zu vertreiben.»  

David ist aber der Ansicht, dass grosse Fortschritte in Bezug auf die öffentliche Akzeptanz der Technologie gemacht wurden. «Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich die Wahrnehmung in der Bevölkerung stark verändert.  Vor nicht allzu langer Zeit fühlte es sich noch nach Science-Fiction an, aber heute erkennt schon eine viel grössere Anzahl von Menschen die Vorteile der Gesichtserkennung. Wenn man nur schon bedenkt, wie viele Millionen von Menschen die Technologie verwenden, um ihr Handy zu entsperren. Viele, auch ältere Personen, die vielleicht eher skeptisch sind, haben kein Problem damit, wenn sie erst mal erleben, was für einen Komfort die Technologie bringen kann.» 

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1https://www.forbes.com/sites/louiscolumbus/2020/11/08/10-reasons-sustainability-needs-to-be-part-of-your-digital-transformation-strategy/?sh=4895c5e07ef6

2http://www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Risks_Report_2019.pdf

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